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Globale Gesundheit bei G20-Gipfel auf der Agenda: Antibiotikaresistenzen und Infektionskrankheiten im Fokus

  • Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe beim Treffen der G20-Gesundheitsminister im Mai in Berlin (Foto: BMG/Inga Kjer | photothek)

Beim G20-Gipfel in Hamburg tagen am 7. und 8. Juli die Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer. Erstmals wird dabei auch die globale Gesundheitsversorgung als Diskussionspunkt mit auf die Tagesordnung gesetzt. Schon im Mai hatten sich deshalb die Gesundheitsminister in einem separaten Beratungsgremium über zentrale Themen ausgetauscht und in einer Berliner Erklärung zusammengefasst. Schwerpunkte sind darin die Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen, die Stärkung der Gesundheitssysteme und die Erarbeitung eines globalen Gesundheits-Krisenmanagements.

Bereits vor dem eigentlichen G20-Gipfel haben im Mai zum ersten Mal auch die Gesundheitsminister aller G20-Staaten in einem separaten Beratungsgremium getagt. Ziel des Treffens war es, gemeinsame Lösungsansätze für die globalen Herausforderungen im Bereich der Gesundheitsversorgungen zu finden. In ihrer „Berliner Erklärung“ vom 20. Mai bekräftigen die G20-Gesundheitsminister, dass es dringend einer globalen Zusammenarbeit bedürfe, um effektiv gegen die Ausbreitung von Infektionskrankheiten und Antibiotikaresistenzen vorgehen zu können.

In dem neunseitigen Dokument widmen sich die Gesundheitsminister Themen, die auch am InfectoGnostics Forschungscampus Jena von zentraler Bedeutung sind: So erkennen die Minister beispielsweise an, dass „Vorbeugung und Kontrolle von Infektionen, Hygiene und Impfungen in den  Gesundheitssystemen Vorrang eingeräumt werden muss, um das Auftreten von Antibiotikaresistenzen zu verringern und deren Ausbreitung einzudämmen“. Bei den Maßnahmen gegen Antibiotikaresistenzen soll besonders das Problem der resistenten Tuberkuloseerreger adressiert werden. Hierzu arbeiten bereits jetzt InfectoGnostics-Forscher im MYCO-NET²-Projekt mit internationalen Partnern aus Argentinien, Peru und Spanien zusammen.

Einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung von Infektionserkrankungen könnte zudem das „Leibniz-Zentrum für Photonik in der Infektionsforschung“ (LPI) liefern: Das LPI ist ein kooperatives Projekt des InfectoGnostics Forschungscampus Jena und „Leibniz Gesundheitstechnologien“, einem Forschungsverbund der Leibniz-Gemeinschaft, und soll als nutzeroffene Technologieplattform in Jena aufgebaut werden. Verortet am Universitätsklinikums Jena soll das Zentrum europaweit einmalige Möglichkeiten bieten, um innovative photonikbasierte Diagnostika und Therapieverfahren zu erforschen und bis zur Marktreife zu entwickeln.

Antibiotikaresistenzen: Minister warnen vor nicht behandelbaren Infektionskrankheiten

In Hinblick auf die sich immer weiter ausbreitenden Antibiotikaresistenzen warnen die Minister eindringlich:  „Wenn die derzeitige Entwicklung weiter anhält, könnten Infektionen, darunter auch die Tuberkulose, unbehandelbar werden.“ Dies hätte insbesondere für immunsupprimierte Patienten, die auch im Fokus des InfectoGnostics-Campusprojekts stehen, drastische Konsequenzen: Gängige Operationsverfahren und aufwendige Eingriffe wie Organtransplantationen oder die Chemotherapie bei Krebserkrankungen seien dann, so die G20-Minister, weitaus schwieriger durchzuführen und gar generell zu gefährlich.

Darüber hinaus weisen die Minister auf die Bedeutung regelmäßiger Simulationsübungen zur Vorbereitung auf globale Ausbrüche von Krankheiten hin und bestätigen die Umsetzung der Internationalen Gesundheitsvorschriften als eine „Schlüsselpriorität“. Als Basis für ein effektives Management von Gesundheitskrisen sehen die Minister starke, zugängliche, bezahlbare und nachhaltige Gesundheitssysteme. In ihrer Erklärung rufen sie deshalb dazu auf, „die Koordinierung  der  Maßnahmen zur Stärkung der Gesundheitssysteme auf nationaler und globaler Ebene zu verbessern.“

Als erste konkrete Maßnahme zur internationalen Zusammenarbeit begrüßt das Gremium den Vorschlag Deutschlands, im Herbst 2017 die erste Fachkonferenz von G20-Experten für öffentliche Gesundheit und Tiergesundheit auszurichten. Der Dialog der G20-Gesundheitsminister soll zudem im kommenden Jahr in Argentinien fortgesetzt werden.