Abwasseranalytik zur Detektion von Viren und resistenten Keimen: Minister Tiefensee diskutiert Einsatz in Thüringen

Der Thüringer Wirtschafts- und Wissenschaftsminister Wolfgang Tiefensee hat am 29. März den Campus-Partner „Analytik Jena“ besucht und einen möglichen Einsatz der Erregerbestimmung im Abwasser besprochen. Diese Analysen könnten Rückschlüsse auf die SARS-CoV-2-Virenlast in der Bevölkerung und die Verbreitung von antibiotikaresistenten Bakterien geben. Am InfectoGnostics Forschungscampus leitet Analytik Jena derzeit auch das Projekt „FastAlert“, das verschiedene Methoden für den Nachweis von Infektionserregern im Abwasser zusammenführt.

Am Montag den 29. März 2021 hat sich der Thüringer Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee am Unternehmenssitz der Analytik Jena GmbH über die regionalen und weltweiten Einsatzmöglichkeiten von Abwasseranalysesystemen informiert. Dabei wurden dem Minister von den Entwicklern bereits marktreife Systeme der Analytik Jena vorgestellt, die sich für einen möglichen Einsatz zur Eindämmung der Corona-Pandemie eignen. „Spitzentechnologie aus Thüringen kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die Ausbreitung des Corona-Virus besser zu verstehen und damit die Pandemie in den Griff zu bekommen“, sagte Wolfgang Tiefensee. Er hoffe darauf und werbe dafür, dass das Verfahren der Abwasseranalyse bundesweit möglichst schnell zum Einsatz kommt.

Derartige Abwasseruntersuchungen liefern Daten, die indirekten Massentests gleichkommen wie Projektleiter Dr. Robert Möller erläutert: „Virenreste, die ausgeschieden werden, sind nicht mehr infektiös. Dennoch sind sie ab einer gewissen Konzentration im Abwasser nachweisbar.“ Natürlich seien Abwasseruntersuchungen noch kein Allheilmittel, aber das Verfahren ist ein Puzzlestein in der Pandemiebekämpfung. Daten aus der Analyse ergeben zusammen mit den klinischen Tests ein genaueres Bild des tatsächlichen Infektionsgeschehens, besonders auch darüber, welche Variante des Virus gerade vorherrscht und wie gefährlich sie ist. Wenn beispielsweise die Virenlast im Abwasser höher sei als klinische Tests das erwarten lassen, müsse man – so Möller weiter – die Vorkehrungen zum Schutz der Bevölkerung intensivieren.

Im InfectoGnostics-Campusprojekt „Fast Alert“ werden diese Technologien derzeit gemeinsam mit der Friedrich-Schiller-Universität Jena, der fzmb GmbH und dem Universitätsklinikum Jena weiterentwickelt: Vier komplementäre Nachweisverfahren sollen künftig kombiniert, um die Detektion von Viren, Bakterien und Resistenzgenen zu ermöglichen. Bereits 2020 gelang in Japan mit einem auf der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) basierenden Verfahren von Analytik Jena der Nachweis von SARS-CoV-2 in Abwasser. Nun wird dieser Ansatz gemeinsam mit den anderen InfectoGnostics-Projektpartnern in „FastAlert“ verbessert und um weitere Methoden wie die Massenspektrometrie mit induktiv gekoppeltem Plasma (ICP-MS), die Raman-Spektroskopie sowie ein mikroskopisch-hyperspektrales Bildgebungssystem erweitert. Am Ende des Forschungs- und Entwicklungsprozesses soll ein automatisiertes System stehen, das direkt vor Ort im Klärwerk eingesetzt werden kann.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Projekt „FastAlert“ bis zum 31.08.2025 innerhalb der Forschungscampus-Initiative (Förderkennzeichen: 13GW0460D).