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Deutsche Biotechnologietage (DBT) in Berlin: InfectoGnostics-Experten diskutieren Zukunft der Diagnostik

  • InfectoGnostics-Luncheon auf den DBT 2018: Prof. Michael Bauer (Uniklinikum Jena), Dr. Sascha Braun (Abbott) und Dr. Martina Schmitz (oncgnostics) diskutieren über die Zukunft der Point-of-Care-Diagnostik (v.l.n.r.; Foto: S. Z. Kurc und Bernd Lammel)

Der InfectoGnostics-Forschungscampus Jena hat auf den Deutschen Biotechnologietagen (DBT) erstmals eine wissenschaftliche Mittagssession ("Luncheon") ausgerichtet. Die DBT fanden am 18. und 19. April in Berlin statt und gelten als wichtigstes deutsches Biotechnologie-Event, das alle Akteure der Branche einmal im Jahr zum Erfahrungsaustausch einlädt. Der Forschungscampus beteiligte sich gemeinsam mit dem Partner oncgnostics sowie und dem Clustermanagement der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen als Aussteller.

In diesem Jahr nahmen rund 900 Unternehmer, Forscher und Partner aus Politik, Förderinstitutionen und Verwaltung teil und nutzten Podiumsdiskussionen, Vorträge sowie die Ausstellung zum Austausch. Dass die Branche an Bedeutung gewinnt, zeigte sich auch durch den Überraschungsbesuch von Wirtschaftsminister Peter Altmaier. Er unterstrich, dass die Biotechnologie ein wichtiger Innovator der deutschen Wirtschaft ist und will deshalb im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) Ausarbeitung einer Biotechnologie-Agenda vorantreiben. Einen ersten gemeinsamen Workshop von BMWi und Vertretern der Biotechnologie-Industrie kündigte der Minister für den Spätsommer an.

Gemeinsam mit dem Forschungsverbund Leibniz Gesundheitstechnologien organisierte InfectoGnostics in diesem Jahr ein Luncheon zu dem Thema „Point-of-Care: Wo stehen wir und wo geht es hin?“:  In drei Impulsvorträgen und einer anschließenden Diskussionsrunde widmeten sich Prof. Dr. Michael Bauer (Uniklinikum Jena und InfectoGnostics-Vorstandsmitglied), Dr. Martina Schmitz (oncgnostics GmbH) und Dr. Sascha Braun (Abbott/Alere Technologies) der Frage, wie innovative Diagnostikansätze dazu beitragen, Krankheiten rechtzeitig zu erkennen und wie sie schneller in Kliniken eingesetzt werden können.

Prof. Dr. Michael Bauer betonte in seinem Vortrag und in der Diskussion den weiterhin vorhandenen großen klinischen Bedarf schneller Point-of-Care-Tests: Insbesondere bei schweren Infektionen und drohender Sepsis könnten viele Ärzte bislang noch längst nicht auf das Potential zurückgreifen, das die moderne Diagnostik eigentlich bietet. Die Folge seien vermehrte Resistenzen und vermeidbare Fehlbehandlungen. Hier müsse auch von Seiten des Gesetzgebers dringend in Bezug auf Zulassung und Kostenerstattung nachgebessert werden, um eine "post-antibiotische Ära“ zu vermeiden.

Einen Schnelltest, der der einen wichtgen Beitrag zu gezielteren Antibiotika-Gabe leisten könnte, stellte Dr. Sascha Braun vor: Der derzeit im Rahmen des IDES-Campusprojekts entwickelte Kartuschentest zur Detektion von Carbapenemase- und ESBL-Genen bei Bakterien könnte künftig Auskunft darüber geben, ob in der normalen Darmflora bereits Resistenzen gegen gebräuchliche Antibiotika existieren. Der Forscher veranschaulichte, wie derartige kartuschenbasierte Tests den Bedarf für eine schnelle Vor-Ort-Diagnostik bedienen könnten.

Ein bereits auf dem Markt befindliches Produkt präsentierte indes Dr. Martina Schmitz mit "GynTect": Dieser Test ermöglicht die Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs und wird derzeit im ASSURER-Projekt am Forschungscampus zum Point-of-Care Test weiterentwickelt und automatisiert. Das vergleichsweise junge medizintechnische Produkt ist in Deutschland zunächst eine Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL). Da zahlreichen Studien aber bereits die Wirksamkeit zeigen konnten, hat der Test gute Chancen, in Zukunft von den Krankenkassen übernommen zu werden. Zudem ist oncgnostics mit Partnern in unterschiedlichen Ländern im Gespräch, um ihnen eine exklusive Vertriebslizenz für den Test zu erteilen. Kooperationen bestehen bereits in China, Tschechien, der Slowakei und Portugal.