Nach Datum einschränken

Abwasser als Datenquelle für AMR-Surveillance? InnoMEET in Erfurt

Welche Informationen über antimikrobielle Resistenzen lassen sich aus Abwasser gewinnen – und wie kann dieses Wissen für die Gesundheitsvorsorge genutzt werden? Antworten gab es beim InnoMEET „Wasser und Gesundheit“ in Erfurt.

InnoMEET von Innovativ Thüringen und InfectoGnostics in der Erfurter Zentralheize
Teilnehmende der Panel-Diskussion beim InnoMEET in Erfurt
Prof. Dr. Thomas Berendonk, TU Dresden

InnoMEET: Abwasser als Datenquelle für AMR-Surveillance?

Am 18. September 2025 fand in der Zentralheize Erfurt das InnoMEET „Wasser und Gesundheit“ statt – eine gemeinsame Veranstaltung des InfectoGnostics Forschungscampus Jena und der LEG Thüringen “Innovativ Thüringen”. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Abwasseranalysen als Datenquelle im Kampf gegen antimikrobielle Resistenzen (AMR) genutzt werden können. Der One-Health-Ansatz, der die enge Verbindung von Umwelt, Tier- und menschlicher Gesundheit betont, bildete dabei den Rahmen der Diskussionen.

Abwasser im Fokus der AMR-Forschung

Antimikrobielle Resistenzen gelten als „stille Pandemie“ und stellen weltweit eine wachsende Bedrohung für die Gesundheitsversorgung dar. Abwasser bietet einen vielversprechenden Zugang, um Resistenzen frühzeitig zu erkennen und Trends für die Gesundheitsvorsorge abzuleiten. Die Beiträge der Referent:innen verdeutlichten, wie vielfältig die Herausforderungen und Lösungsansätze in diesem Feld sind:

  • PD Dr. Birgit Walther (Umweltbundesamt): Antibiotikaresistenzen sind ein uraltes Phänomen, das durch Umweltfaktoren zusätzlich verstärkt wird. Noch fehlt es jedoch an Standards für Resistnezne Umweltproben – selbst grundlegende Angaben wie die minimale Hemmkonzentration sind bislang nicht etabliert.
  • Dr. Robert Möller (Analytik Jena): Für verlässliche Daten sind standardisierte und reproduzierbare Probenahmen entscheidend. Eine Stabilisierung der Proben bereits vor Ort könnte die Praxistauglichkeit erheblich verbessern.
  • PD Dr. Claudia Stein (Universitätsklinikum Jena): Im klinischen Hochrisiko-Umfeld einer Krebsstation lassen sich komplexe Herausforderungen beobachten – von Biofilmen über Aerosolwolken bis hin zur enormen Artenvielfalt im Duschsiphon.
  • Dr. Kevin Lamkiewicz (SMA Development): Mit digitalen Innovationen können Daten aus unterschiedlichen Quellen – Netzwerke, Zeit, Orte – zusammengeführt werden. Ziel ist es, die „Gesundheit eines Ortes“ messbar zu machen.
  • Prof. Thomas Berendonk (TU Dresden): Während Virus-Monitoring vergleichsweise einfach ist, stellen die Dynamiken von Bakterien eine besondere Herausforderung dar. Da nur etwa zehn Prozent der Umweltbakterien kultivierbar sind, braucht es eine Kombination aus kultur-basierten Verfahren und molekularen Tests.
  • Dr. Jörg Hans (Robert-Koch-Institut): Für ein nationales AMR-Monitoring fehlen bislang komnnkrete verbindliche regulatorische Vorgaben. Noch unklar sind vor allem Zuständigkeiten zwischen Bund und Ländern, Logistik, Probenahme, Analytik und Datenmanagement – sowie die Finanzierung.

Fazit: Ein interdisziplinärer Auftrag

Die Diskussionen machten deutlich: Abwassermonitoring ist weit mehr als ein technisches Verfahren. Es kann ein zentrales Element für eine vorausschauende Gesundheitsvorsorge sein – vorausgesetzt, Forschung, Klinik, Wirtschaft und Behörden arbeiten eng zusammen.

Wir danken allen Vortragenden und Teilnehmenden, die den interdisziplinären Austausch in Erfurt ermöglicht haben – vom Umweltbundesamt bis zum Universitätsklinikum Jena, von Analytik Jena über SMA Development bis zum Robert-Koch-Institut und vielen weiteren.

InfectoGnostics wird diesen Austausch weiter vorantreiben – damit Abwasseranalysen ihren Weg vom Labor in die Anwendung finden und helfen, die stille Pandemie antimikrobieller Resistenzen frühzeitig zu erkennen.