Am 21. und 22. Oktober 2026 fand in Konstanz erneut die Diagnostics-4-Future Conference statt. Die vom BioLAGO organisierte Konferenz ist spezialisiert auf diagnostische Neuentwicklungen und deren Implementierung in Arztpraxen und Kliniken. InfectoGnostics unterstützte das Partnernetzwerk erneut bei der Programmgestaltung und brachte sich im Programmbeirat ein. Zudem moderierte InfectoGnostics-Geschäftsführer Dr. Jens Hellwage eine gemeinsame Fachsession zu antibiotikaresistenten bakteriellen Infektionen, Phagentherapie und den damit verbundenen Anforderungen an moderne Diagnostik und bioinformatische Verfahren. Dr. Shawna McCallin vom Universitätsspital Balgrist beleuchtetedie klinischen Perspektiven phagenbasierter Therapien. Hendrik Koliwer-Brandl von der Universität Zürichstellte Verfahren zur Empfindlichkeitstestung vor, die eine wichtige Voraussetzung für die gezielte Auswahl therapeutisch geeigneter Phagen darstellen.
„What the Phage 2.0“: Sequenzdaten für die Phagenforschung nutzbar machen
Aus dem Forschungscampus präsentierte Mike Marquet (Universitätsklinikum Jena und der nanozoo GmbH) die bioinformatische Open-Source-Software What the Phage 2.0 vor. In seinem Vortrag “Delivering Actionable Biological Data for the Post-Antibiotic Era“ stellte er die weiterentwickelte Software zur Charakterisierung von Bakteriophagen vor. Mit diesem ”Werkzeugkasten" aus verschiedenen bioinformatischen Tools lassen sich potenziell geeignete Phagen identifizieren und für weiterführende Untersuchungen charakterisieren.
Während die ursprüngliche Version vor allem auf die Identifizierung von Phagen in Sequenzdaten ausgerichtet war, erweitert What the Phage 2.0 den Analyseumfang deutlich: Der Workflow verbindet verschiedene bioinformatische Werkzeuge zur Annotation von Phagengenomen, zur taxonomischen Einordnung sowie zur Vorhersage möglicher bakterieller Wirte und der Lebensweise der Phagen. Hinzu kommt die Erkennung von Prophagen, also in bakterielle Genome integrierten Phagensequenzen. Die Kombination mehrerer Analyseverfahren soll Unterschiede zwischen einzelnen Programmen abfedern und belastbarere Ergebnisse ermöglichen. Aufbereitete Tabellen und grafische Darstellungen erleichtern die weitere Auswertung. Damit unterstützt What the Phage 2.0 die präklinische Charakterisierung von Phagen und schafft eine Datengrundlage für weitere Forschungsansätze.
Partnering, Ausstellung und Transfer in die Versorgung
Neben dem Fachprogramm war InfectoGnostics gemeinsam mit Applyo Jena und AID Autoimmun Diagnostika in der Industrieausstellung vertreten. An den Ständen wurden Kompetenzen und Lösungsansätze aus dem Campusnetzwerk sichtbar. Applyo Jena brachte insbesondere seine Expertise in Assayentwicklung, Gefriertrocknung und industrieller Herstellung ein. AID ergänzte das Spektrum mit In-vitro-Diagnostik und bildanalytischen Systemen.
Beim organisierten Partnering am ersten Konferenztag sowie an den Ausstellungsständen standen die Vernetzung und mögliche Anknüpfungspunkte für Kooperationen im Vordergrund. Auch das Campusprojekt TransDiag war durch eine Mitarbeiterin vor Ort vertreten. Das am Universitätsklinikum Jena angesiedelte Projekt begleitet den Transfer diagnostischer Innovationen in die medizinische Versorgung – unter anderem durch klinische Bedarfsanalysen, die Unterstützung bei der Studienplanung und Beratung zu regulatorischen Anforderungen.
Die Konferenz bot wichtige Anknüpfungspunkte, um wissenschaftliche Entwicklungen, industrielle Umsetzungskompetenzen und klinische Anforderungen enger miteinander zu verbinden und neue Kooperationen für die anwendungsorientierte Diagnostikforschung anzubahnen.