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AMR Conference 2026 in Basel: InfecoGnostics präsentiert Thüringer Diagnostik-Innovationen auf internationaler Bühne

Der InfectoGnostics Forschungscampus präsentierte sich mit einigen Campuspartnern auf der AMR Conference 2026 in Basel vertreten. Im Mittelpunkt standen neue Technologien für Infektionsforschung und Diagnostik sowie der Austausch zur Nutzung KI-gestützter Anwendungen im Gesundheitsbereich.

Am 3. und 4. März 2026 nahm der Forschungscampus InfectoGnostics an der AMR Conference 2026 in Basel teil. Die internationale Konferenz gilt als wichtigste europäische Plattformen zum Austausch über neue antimikrobielle Wirkstoffe, Neuentwicklungen in der Diagnostik und Strategien zur Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen. In ihrem zehnten Jubiläumsjahr brachte sie erneut Vertreterinnen und Vertreter aus Forschung, Industrie, Politik und Finanzierung zusammen, um Entwicklungen entlang der gesamten Innovationskette – von der Grundlagenforschung bis zur klinischen Anwendung – zu diskutieren.

Gemeinsam mit Partnern aus dem Jenaer Innovationsökosystem präsentierte InfectoGnostics aktuelle Ansätze aus der Infektionsforschung und -diagnostik. Neben der wissenschaftlichen Vernetzung stand insbesondere der Austausch über neue Technologien und regulatorische Rahmenbedingungen für innovative Diagnostik im Fokus.

Technologien aus dem Forschungscampus im internationalen Kontext

Auch mehrere Partnerunternehmen aus dem Umfeld des Forschungscampus waren in Basel vertreten und stellten ihre technologischen Ansätze vor. Dazu gehörten unter anderem Dynamic42, Applyo und SMA Development.

Dynamic42 aus Jena präsentierte seine mikrophysiologischen Organmodelle („Organ-on-Chip“-Systeme), die als präklinische Testplattformen für Infektionsmodelle, Wirkstoffscreening und Wirts-Pathogen-Interaktionen eingesetzt werden können. Solche Systeme gewinnen insbesondere bei der Entwicklung neuer antiinfektiver Therapien und diagnostischer Ansätze an Bedeutung, da sie physiologisch relevante Bedingungen abbilden und Tiermodelle ergänzen oder teilweise ersetzen können. Im Forschungscampus kommen diese Technologien unter anderem im aktuellen Projekt AutoOoC zum Einsatz, das automatisierte Organ-on-Chip-Plattformen für die biomedizinische Forschung weiterentwickelt.

Der Campuspartner Applyo Jena stellte innovative gefriergetrocknete Reagenzien und Biomaterialien vor, die unter anderem in molekularbiologischen Assays, diagnostischen Testsystemen und mikrofluidischen Anwendungen eingesetzt werden können. Solche Materialien sind ein zentraler Baustein für robuste, reproduzierbare und skalierbare Diagnostiklösungen – ein Kernthema vieler Projekte im InfectoGnostics Forschungscampus.

Mit SMA Development war zudem ein Jenaer Unternehmen vertreten, das sich auf datenbasierte Analyse- und Softwarelösungen spezialisiert hat. Der Fokus liegt, insbesondere für die auf “Data-Science-as-a-Service” speziaslisierte Tochterfirma EPIC INSIGHTS, auf der Integration und Auswertung komplexer Daten, beispielsweise aus Diagnostik, Verkehrsüberwachung oder Umweltmonitoring.

Vortrag zu KI-gestützter Diagnostik

Ein Programmpunkt mit Jenaer Beteiligung war die Session “AI at the frontline: smarter diagnostics in action”, in der Dr Kevin Lamkiewicz (SMA Development) einen Vortrag hielt. In seinem Beitrag stellte er Ansätze vor, wie KI-basierte Methoden zur Analyse komplexer Datensätze – etwa aus Diagnostik, Abwassermonitoring oder Mobilitätsdaten – genutzt werden können, um schnellere und besser fundierte Entscheidungen im Infektionsgeschehen zu ermöglichen.

Im Anschluss diskutierte Lamkiewicz gemeinsam mit Marco Caproni von TÜV SÜD (benannte Stelle im Bereich AMR-Innovationen), einem weiteren Referenten der Session, über regulatorische Herausforderungen für KI-basierte Diagnostik. Ein zentrales Thema der Paneldiskussion war die praktische Umsetzung des europäischen AI Act der Europäischen Union im Zusammenspiel mit den bereits bestehenden regulatorischen Anforderungen der EU-Medizinprodukteverordnung (MDR) und der EU-IVD-Verordnung (IVDR). Aus Sicht vieler Unternehmen stellt insbesondere die teilweise noch unklare Verzahnung dieser Regelwerke eine Herausforderung für die Entwicklung und Zertifizierung innovativer diagnostischer Lösungen dar. Unterstützt wurde die Session vom Clustermanagement Innovativ Thüringen.

Vernetzung in dem europäischen Ökosystem der Antiinfektiva- und Diagnostika-Entwicklung

Die Teilnahme des Jenaer Netzwerks wurde durch Innovativ Thüringen, eine Initiative der LEG Thüringen, unterstützt. Gemeinsam mit Partnern aus Thüringen konnte so die Sichtbarkeit von Thüringen im internationalen AMR-Innovationsumfeld gestärkt werden.

Vor Ort präsentierte sich außerdem der mit InfectoGnostics eng kooperierende Forschungsverbund Leibniz Gesundheitstechnologien, der Medizintechnik-Kompetenzen aus bundesweit über 20 Instituten und Startups der Leibniz-Gemeinschaft bündelt. In diesem Kontext wurde auch die in Jena im Aufbau befindliche Forschungsinfrastruktur “Leibniz-Zentrum für Photonik in der Infektionsforschung” vorgestellt, die künftig neue Möglichkeiten für die Entwicklung photonischer Technologien in der Infektionsdiagnostik eröffnen soll und im Jahr 2027 mit einer First-in-Patient-Unit an den Start gehen wird.

Neben den wissenschaftlichen Sessions bot die Konferenz zahlreiche Möglichkeiten zum Austausch mit internationalen Akteuren. Vertiefende Gespräche führte das InfectoGnostics-Team unter anderem mit Vertretern der BEAM Alliance, in der InfectoGnostics assoziiertes Mitglied ist, sowie mit dem Pharma-Inkubator INCATE, der Start-ups im Bereich der antiinfektiven Wirkstoffentwicklung unterstützt. Der dezentrale Inkubator ist eng mit dem Leibniz-HKI assoziiert.

Forschungscampus als Brücke zwischen Wissenschaft und Anwendung

Die Beteiligung an der AMR Conference verdeutlichte erneut den Mehrwert des Jenaer Forschungscampus als Plattform für die enge Zusammenarbeit von Wissenschaft und Industrie. Die Kombination aus innovativen Technologien – von Organ-on-Chip-Systemen über diagnostische Reagenzien bis hin zu datengetriebenen Analyseansätzen – zeigt, wie interdisziplinäre Kooperationen dazu beitragen können, neue Lösungen für die Diagnostik und Bekämpfung von Infektionskrankheiten und antimikrobiellen Resistenzen zu entwickeln.

Der internationale Austausch in Basel bot hierfür wichtige Impulse – und unterstrich zugleich die Rolle Thüringer Innovationen in der europäischen Biotech- & Diagnostik-Branche.